Indaba bis zum Morgengrauen?

Hinter verschlossenen Türen begann nach Mitternacht wieder eine Indaba. Foto: Tilo Arnhold/UFZ

Hinter verschlossenen Türen begann nach Mitternacht wieder eine Indaba. Foto: Tilo Arnhold/UFZ

Während die meisten Konferenzteilnehmer das Gelände verlassen und die Technik in vielen Räumen bereits abgebaut wird, geht die Konferenz hinter verschlossenen Türen weiter. Für die Verhandlunsgführer wird diese Nacht kurz werden. Die Konferenzleitung hat wieder auf das inzwischen bewährte Mittel der Indaba zurück gegriffen.

Aus Durban: Tilo Arnhold

Immer wenn es in den Dorfgemeinschaften der Zulus einen größeren, scheinbar nicht lösbaren Konflikt gab, versammelten sich die Dorfältesten, um zu beraten, wie das Problem für alle akzeptabel gelöst werden kann. Diesen Indabas haben sich inzwischen als effektiv herausgestellt. Statt sich mit technischen Details aufzuhalten – wie sonst oft bei den Klimakonferenzen geschehen – kommen hier die Meinungen klar auf den Tisch. Konkret heißt dies, die Teilnehmer äußern sich, welche Lösung sie unterstützen: Option 1, 2a, 2b, 2c oder 3. Hier wird also alles andere als nur “geschwafelt”. Ob diese südafrikanische Taktik den Durchbruch bringt, wird diese Nacht zeigen.

Für die meisten der Konferenzteilnehmer war am späten Freitagabend zunächst Feierabend - bis Samstagvormittag. Foto: Tilo Arnhold/UFZ

Für die meisten der Konferenzteilnehmer war am späten Freitagabend zunächst Feierabend - bis Samstagvormittag. Foto: Tilo Arnhold/UFZ

Bisher gibt es noch keine richtigen Abschlussdokumente. Das große Abschlussplenum, in dem über diese abgestimmt werden soll, wurde daher auf Samstag verschoben. Die Klimakonferenz geht in die Verlängerung. Ob es ein Elfmeterschießen geben wird und wie dies aussehen könnte, weiß zur Stunde wahrscheinlich noch niemand. Sicher ist nur, dass es am Samstagmorgen weitergehen wird. Hintergrund ist offenbar, dass die Europäer nicht nachgeben wollen und auf Klimaschutzzusagen ab 2015 bestehen.Die sogenannte “series of decisions”, die verbindlichen Vereinbarung weiter in die Zukunft verschieben würde, wäre für die EU nicht akzeptabel, meinte am späten Nachmittag ein EU-Parlamentarier.

Das Gerücht, der Grüne Klimafonds (GCF), der ab 2020 pro Jahr 100 Milliarden Dollar für Klimaprojekte in Entwicklungsländer bereitstellen soll, würde noch am Freitagabend im Plenum verabschiedet, hat sich nicht bestätigt. Der Fond soll offenbar nun doch noch an die Kyoto-Protokoll-Verhandlungen geknüpft werden. Die Kyoto-Befürworter wie die EU setzen offenbar alles auf eine Karte. Ein riskantes Pokerspiel, denn schlimmstenfalls könnte es einen Dominoeffekt eben und eine Niederlage die nächste auslösen. Anderseits interpretieren Beobachter es als gutes Zeichen, dass der Klimafond doch nicht am Freitagabend noch durchgewunken wurde. Möglicherweise gibt es also doch noch Hoffnung auf mehr als nur einen Fond am Ende von Durban. Das wird sich in dieser Nacht entscheiden.

Trügerische Ruhe vor dem ICC. Hinter den Kulissen geht es in diesen Nachtstunden zur Sache. Foto: Tilo Arnhold/UFZ

Trügerische Ruhe vor dem ICC. Hinter den Kulissen geht es in diesen Nachtstunden zur Sache. Foto: Tilo Arnhold/UFZ

Klar ist nur, Durban ist eine der spannendsten COPs der letzten Jahre. Ob sie auch eine der erfolgreichsten sein wird, werden wir (vielleicht) Samstag früh wissen. Soll die abschließende Plenarsitzung tatsächlich um 10 Uhr – also 9 Uhr deutscher Zeit -  beginnen, dann muss bis dahin ein abstimmungsfähiges Dokument her. Für die Verhandler wird es diese Nacht wohl kaum Schlaf geben.

2 Kommentare zu „Indaba bis zum Morgengrauen?“

  1. Manfred Ronzheimer sagt:

    Tolle Berichterstattung! Muss ich wirklich mal sagen. Danke dafür!

  2. Reimund Schwarze sagt:

    … Vielen Dank für das Lob, Herr Ronzheimer, im Namen des (erst langsam wieder auf “normal null” anwesenden) Teams; es war eine spannende Zeit! Bitte folgen Sie uns auch nach Bonn und Katar.

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