Die Klimaverhandlungen 2010 in Cancún endeten mit einer überwiegend positiven, ja fast schon euphorischen Stimmung, dass die Klimaverhandlungen, nach dem offenem Ende in Kopenhagen, wieder an Einheit und gemeinsamer Zielrichtung gewonnen haben. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, dass diese Stimmung der Einheit in Durban zu konkreten Fortschritten führen könnte. Doch bereits in den ersten Tagen zeigt sich, dass in grundlegenden Fragen zur Reduzierung von Kohlendioxidemissionen die Unterschiede größer kaum sein könnten. Wie die internationalen Medien berichten hat Kanada angekündigt sich aus dem Kyotoprotokoll zurückzuziehen, um dadurch keine Verpflichtungen für CO2-Emissionen eingehen zu müssen.
Trotzdem gibt es Hoffnung, dass das Kyotoprotokoll eventuell doch noch gerettet werden kann. Denn ohne dieser Hoffnung stehen die Aussichten auf eine gemeinsame Linie noch schlechter. Große Emittenten wie die USA, Indien und Brasilien haben angekündigt Gespräche über ein umfassendes Klimaabkommen auf 2015 vertagen zu wollen. Wenn das Kyotoprotokoll 2012 ohne Folgeabkommen auslaufen sollte, würde dies bedeuten, dass es u. U. in diesem Jahrzehnt zu keiner neuen und umfangreichen Einigung mehr kommen könnte. Angesichts des Berichts der World Meteorological Organisation (WMO, URL: http://www.wmo.int/pages/mediacentre/press_releases/gcs_2011_en.html ), dass 2011 das wärmste Jahr mit einem La Niña Ereignisses war, und es mit Platz zehn noch unter die top-ten der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnung kommt, sehen die Zeichen alles andere als gut aus.
Eine Vertagung der Verhandlungen für ein umfangreiches Abkommen auf 2015 möchten die EU und zahlreiche Entwicklungsländer verhindern. Denn das würde nicht nur den Klimawandel verschärfen, sondern den sicheren Untergang einiger Inselstaaten bedeuten. Dies wollen sich die Entwicklungsländer, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, nicht gefallen lassen. Es wird der Ruf nach einem `Occupy Durban‘ laut. Ähnlich wie in der Finanzkrise haben die Betroffen Länder die Spiele der Mächtigen satt und möchten nicht weiter mit Vertagungen von konkreten Aktionen vertröstet werden. Wie sich dieser Protest hier in Durban konkret zeigen wird ist noch unklar. Die nächsten Tage werden dies zeigen und sicher von dem Verlauf der Verhandlungen abhängig sein. Johannes Förster (jf)
(Durban, November 29, 2011)
Quellen aus internationalen Medien:
BBC: http://www.bbc.co.uk/news/science-environment-15941820
The Guardian: http://www.guardian.co.uk/environment/2011/nov/24/climate-change-occupy-durban-talks
Schlagworte: Cancun, Kyoto-Protokoll, Occupy
