So oder ähnlich könnte die Schlagzeile der FAZ in 2018 lauten, wenn die Geschäftsidee des Virgin-Gründers und Multimilliardärs Sir Richard Branson Wirklichkeit wird. Die von ihm gegründete „Carbon War Room“-Initiative tagte am Donnerstag und Freitag letzter Woche erstmalig in Berlin, um Geschäftsideen zu entwickeln, die eins gemeinsam haben sollten: Sie sollen Gigatonnen Kohlenstoff einsparen, Milliarden US-Dollar mobilisieren und wirkliche Durchbrüche darstellen.
Deutschland ist dabei für Branson der Brennpunkt für die Verwirklichung dieser bahnbrechenden Geschäftsideen. „Das deutsche Wirtschaftswunder braucht“, so Peter Bosch von Volkswagen, dem deutschen Hauptsponsor der Veranstaltung, „eine neue grüne DNA, um der Welt vorzuführen, wie man Wohlstand, Wachstum und Klimaschutz verbinden kann“. Seine Vorstellung eines „Klimawohlstandsportals“ mit Demonstrationsbeispielen für Energieeinsparmaßnahmen im Bereich der Industrie fand dann auch den größten Applaus im versammelten Kreis der Wirtschaftslenker. „Die Bereitschaft der großen Firmen zur Mitwirkung besteht, selbst wenn dabei Betriebsgeheimnisse berührt würden“, versicherten die anwesenden Industriekapitäne.

Wirtschaftsvertreter starteten in Berlin die Initiative "Carbon War Room". Mit dabei der der britische Fluglinien-Gründer und Multimilliardär Sir Richard Branson. Bildquelle: Shen/Triad Berlin
Der Schlüssel zum Umsetzungserfolg liegt aber im Finanzsektor und bei den Rating-Agenturen. Das zeigten die anderen Geschäftsideen, die in der geschichtsträchtigen Berliner Siemens-Villa vorgestellt wurden. Eine internationale „Carbon Rating“-Agentur soll einheitliche Standards für bis zu 650 Milliarden USD grüne Investments weltweit durchsetzen, ein „Special Purpose Vehicle“ soll die wirtschaftlichen Interessen von Schiffseignern, Anlegern und CleanTech-Industrien verbinden, um damit 70 Milliarden USD für Einsparmaßnahmen im Schiffsverkehr zu mobilisieren, und eine internationale Logistik-Plattform soll durch abgestimmte Frachten „die LKWs voll und die Straßen leer“ machen, um damit mehr als 20% des Energieverbrauchs in diesem Sektor einzusparen, wie der scheidende DHL-Vize Keith Ullrich in Berlin sagte. Das übergreifende Thema aller Geschäftsideen lautet, so Professorin Grit Walther von der RWTH Business School: „Wie kann man die falsche Wahrnehmung korrigieren, Investitionen im Klimaschutz seien risikoreicher als irgendwelche anderen Investitionen, denn das Gegenteil ist der Fall“. Darin war sie sich mit den ca. 400 Teilnehmer am Ende der Veranstaltung einig. Über die Gefahren des Rebound einer solchen, ausschließlich auf Effizienzsteigerung ausgerichteten Klimaschutzstrategie wurde in der euphorischen Aufbrauchstimmung des Berliner Klimawirtschaftsgipfels allerdings nicht diskutiert.
Prof. Dr. Reimund Schwarze
