Vertrauen geschmolzen? Zur Glaubwürdigkeit der Klimaforschung

31. August 2010

(von Silke Beck, UFZ, publiziert in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 32-33/2010, 9. August 2010)

Dr. Silke Beck, Senior Scientist am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ

Dr. Silke Beck, Senior Scientist am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH – UFZ

Noch im Sommer 2009 hätte wohl kaum jemand für möglich gehalten, dass der „Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen“ (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), allgemein bekannt als Weltklimarat [1], kurze Zeit später so massiv in die Kritik geraten könnte. Die Schärfe der gegen ihn gerichteten Angriffe ist auf den ersten Blick verwunderlich, da es dem Rat bislang gelungen ist, im Namen der globalen Wissenschaft mit einer Stimme zu sprechen und sich den Ruf als die wissenschaftliche Autorität für Klimapolitik schlechthin zu erwerben. Der IPCC hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten vier umfassende Sachstandsberichte veröffentlicht und wurde 2007 – zusammen mit dem ehemaligen amerikanischen Vize-Präsidenten Al Gore – mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Schlagzeiten wie „Eiskalt geirrt“ und „Die Wolkenschieber“ [2]  zeugen jedoch davon, dass sich seit Ende 2009 eine hitzige Debatte um den IPCC entzündet hat. Im Folgenden werden die einzelnen Vorwürfe erläutert, ihre Ursachen und Folgen diskutiert und mögliche Erklärungen sowie Lösungswege aufgezeigt.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Leise Töne bringen den Klimaprozess voran

6. Mai 2010

Das Konzept der beiden Gastgeber Deutschland und Mexiko mit dem „Petersberger Klimadialog“ eine informelle Arbeitsatmosphäre zu schaffen und damit möglicherweise den Stillstand in den offiziellen UN-Verhandlungen zu beenden, scheint aufgegangen zu sein. Zu dem Treffen in Bonn wurden 35 Minister aus 43 auserwählten Ländern geladen. Es war als vertrauensbildende Maßnahme nach dem klimapolitischen Desaster in Kopenhagen gedacht, wie es Bundesumweltminister Norbert Röttgen formulierte.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Fotogalerie: Petersberger Klimadialog (2. bis 4. Mai 2010 in Bonn)

6. Mai 2010

DSC_0033

DSC_0036

DSC_0084

DSC_0089

DSC_0109

DSC_0143

DSC_0226

Fotos: Dietrich Borst, Bonn

Die Demokratie ist nicht das Problem, wohl aber werden deren Mängel sichtbar

12. Januar 2010
Prof. Christoph Görg, Sprecher des Departments Umweltpolitik am UFZ

Prof. Christoph Görg, Sprecher des Departments Umweltpolitik am UFZ

In die allgemeine Enttäuschung über die Ergebnisse der Klimakonferenz in Kopenhagen mischen sich Zweifel und Misstrauen hinsichtlich der grundsätzlichen Angemessenheit demokratischer Entscheidungsverfahren. Gerade aus den Reihen der Klimaforscher werden konsensuale Abstimmungsprozeduren und der Zwang zum Ausgleich widerstreitender Interessen mit dem Generalverdacht belegt, angesichts solch weitreichender Bedrohungen wie dem anthropogenen Klimawandel zu versagen: dem damit verbundenen Handlungsbedarf seien sie nicht gewachsen (vgl. dazu Spiegel online vom 29.12.2009: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,669398,00.html).

Diesen Beitrag weiterlesen »

Eisbären, ferne Länder und Moral

4. Januar 2010

Beobachtungen aus den Kindernachrichten zum Klimawandel (von Dr. Katrin Großmann, UFZ)

Als Sozialwissenschaftlerin beschäftige ich mich mit den Herausforderungen des Klimawandels für die Stadt- und Quartiersentwicklung. Als Mutter zweier Jungs schaue ich nahezu täglich die Kindernachrichten LOGO und andere kindgerechte Wissensmagazine. Und bevor ich mich nächstes Jahr wieder frage, wie der Klimawandel bei Planungsämtern und Bürgermeistern ankommt, schaue ich mir derweil mal an, wie der Klimawandel bei meinen Vier- und Siebenjährigen ankommt.

Ist der Eisbär das geeignete Leitmotiv für die Bedrohung durch den Klimawandel? Quelle: Getty Images

Ist der Eisbär das geeignete Leitmotiv für die Bedrohung durch den Klimawandel? Quelle: Getty Images©

Da wäre zunächst der Eisbär, der seine eisige Heimat verliert. Die Hintergrundbeiträge auf LOGO haben den Eisbären zum Leitmotiv der Bedrohung gemacht: um ihn zu retten muss man das Klima schützen, also Strom sparen und Autos stehen lassen. Der Eisbär wirkt. Die Frage: „Och, Mama, können wir nicht auch mal mit dem Auto zum Einkaufen fahren?“ beantworte ich knapp mit „Denk doch an den Eisbären.“ – und die Widerrede erstirbt. Neben dem Eisbären gibt es Berichte aus den „armen Ländern“, über Dürren, fehlendes Gletscherwasser, Ernteausfälle und damit über Hunger. Da sagen die Kinder dann zunächst gar nichts.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Driften Klimapolitik und Klimawissenschaft auseinander?

21. Dezember 2009

Ein Standpunkt zur Kopenhagener Klimakonferenz COP-15 von Prof. Reimund Schwarze, der die Verhandlungen im Plenarsaal verfolgt hat.

Prof. Reimund Schwarze, Klimaexperte am UFZ

Prof. Reimund Schwarze, Klimaexperte am UFZ

Der Klimagipfel in Kopenhagen ist nach einhelliger Meinung gescheitert. Der Minimalkonsens, auf den man sich nach zähen Verhandlungen im Kreis der Großen geeinigt hat, wurde im abschließenden Plenum der UN zerrissen. Im Ergebnis wird das Kopenhagen-Übereinkommen der Großen „zur Kenntnis genommen“; alle rechtlichen Verbindungen zur Klimarahmenkonvention und zum Kyoto-Protokoll wurden gekappt. Damit wird das Dokument zu einer isolierten politischen Absichtserklärung, einem  Fremdkörper in der UN-Klimaarchitektur. Der weltgrößte Emittent an Treibhausgasen China hat an dieser rechtlichen und politischen Isolierung des Kopenhagenübereinkommens einen großen Anteil. Jetzt werden Forderungen laut, den Prozess der UN-Klimapolitik auf eine neue organisatorische Grundlage zu stellen.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Rückkehr zum Business as Usual in der Klimapolitik

19. Dezember 2009

Eine Einschätzung vom abschließenden Tag der Klimakonferenz in Kopenhagen

COP 15 Klimakonferenz in Kopenhagen

COP 15 Klimakonferenz in Kopenhagen. Rückkehr zum Business as Usual.

Am späten Abend saßen die Delegierten noch in stoischer Gelassenheit. Dann rüttelten die Vertreter der kleinen Inselstaaten die übermüdeten Versammelten in der Nacht wach. Das Kopenhagen-Abkommen setze die Inselstaaten einem Meeresspiegelanstieg von 1,5 Meter aus und stelle ihr Überleben in Frage. Menschen müssten ihre Heimat verlassen, es werde Millionen Klimaflüchtlinge geben. Es gehe ums Überleben, nicht um Geld und Ausgleichszahlungen. So lauteten Ihre Gründe, den „Copenhagen-Accord“ der Großen zu zerreißen. Diesen Beitrag weiterlesen »

UN-Chef will Hoffnung aufrecht erhalten

19. Dezember 2009
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon

Samstag, 11:18: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verliesst eine Erklärung, in der er hofft, dass die poltische Erklärung von gestern Abend, die von der Versammlung nur zur Kenntniss genommen wurde, in ein rechtlich verbindliches Abkommen überführt werden kann. Der Zeithorizont dafür ist aber völlig offen. Nach den Ereignissen der letzten Stunden erscheint das Beobachtern jedoch als sehr optimistisch.
TA

Die Rettung der Welt wurde noch einmal vertagt

19. Dezember 2009

Klimagipfel in Kopenhagen endet mit Minimalkonsens. Jetzt bekommen wir eine Diskussion um den Prozess.

COP 15 Klimakonferenz in Kopenhagen

COP 15 Klimakonferenz in Kopenhagen

Der Klimagipfel von Kopenhagen hat die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. Der Minimalkonsens, auf den man sich nach zähen Verhandlungen im Kreis der Staatsoberhäupter geeinigt hat, ist so schwach, dass Stimmen aus dem Kreis der EU laut werden, den Kopenhagenkonsens besser nicht zu unterzeichnen.

Diesen Beitrag weiterlesen »

Enttäuschung macht sich breit

18. Dezember 2009

Die Verhandlungslage in Kopenhagen bleibt schwierig

COP 15 Klimakonfernz - Konferenzsaal

COP 15 Klimakonfernz - Konferenzsaal

Der heutige Morgen begann mit einer großen Hoffnung: Auf der informellen Plenarsitzung der Verhandlungsführung konnten die Führenden dieser Welt ihre Verantwortung demonstrieren und Auswege aus der verfahrenen Dokumentenlage der UN aufzeigen. Leider blieb es in den Reden der Staatsoberhäupter bei Aufrufen und Selbstbeweihräucherungen.

Auch der Hoffnungsträger Obama hatte nichts zu bieten, was nicht bereits zuvor durch seine Unterhändler oder Frau Clinton angeboten wurde. Der „Pledge“ der USA lautet: 17% Emissionsreduktion in 2020 basierend auf 2005 – mehr ist nicht möglich, lautet die unausgesprochene Botschaft. „Wir machen Klimaschutz in den USA aus einem ureigenem Interesse“, aber „es gibt auch ein gemeinsames Interesse der Weltgemeinschaft an einem Abkommen“.

Diesen Beitrag weiterlesen »