In die allgemeine Enttäuschung über die Ergebnisse der Klimakonferenz in Kopenhagen mischen sich Zweifel und Misstrauen hinsichtlich der grundsätzlichen Angemessenheit demokratischer Entscheidungsverfahren. Gerade aus den Reihen der Klimaforscher werden konsensuale Abstimmungsprozeduren und der Zwang zum Ausgleich widerstreitender Interessen mit dem Generalverdacht belegt, angesichts solch weitreichender Bedrohungen wie dem anthropogenen Klimawandel zu versagen: dem damit verbundenen Handlungsbedarf seien sie nicht gewachsen (vgl. dazu Spiegel online vom 29.12.2009: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,669398,00.html).
Eisbären, ferne Länder und Moral
4. Januar 2010Beobachtungen aus den Kindernachrichten zum Klimawandel (von Dr. Katrin Großmann, UFZ)
Als Sozialwissenschaftlerin beschäftige ich mich mit den Herausforderungen des Klimawandels für die Stadt- und Quartiersentwicklung. Als Mutter zweier Jungs schaue ich nahezu täglich die Kindernachrichten LOGO und andere kindgerechte Wissensmagazine. Und bevor ich mich nächstes Jahr wieder frage, wie der Klimawandel bei Planungsämtern und Bürgermeistern ankommt, schaue ich mir derweil mal an, wie der Klimawandel bei meinen Vier- und Siebenjährigen ankommt.

Ist der Eisbär das geeignete Leitmotiv für die Bedrohung durch den Klimawandel? Quelle: Getty Images©
Da wäre zunächst der Eisbär, der seine eisige Heimat verliert. Die Hintergrundbeiträge auf LOGO haben den Eisbären zum Leitmotiv der Bedrohung gemacht: um ihn zu retten muss man das Klima schützen, also Strom sparen und Autos stehen lassen. Der Eisbär wirkt. Die Frage: „Och, Mama, können wir nicht auch mal mit dem Auto zum Einkaufen fahren?“ beantworte ich knapp mit „Denk doch an den Eisbären.“ – und die Widerrede erstirbt. Neben dem Eisbären gibt es Berichte aus den „armen Ländern“, über Dürren, fehlendes Gletscherwasser, Ernteausfälle und damit über Hunger. Da sagen die Kinder dann zunächst gar nichts.
Driften Klimapolitik und Klimawissenschaft auseinander?
21. Dezember 2009Ein Standpunkt zur Kopenhagener Klimakonferenz COP-15 von Prof. Reimund Schwarze, der die Verhandlungen im Plenarsaal verfolgt hat.
Der Klimagipfel in Kopenhagen ist nach einhelliger Meinung gescheitert. Der Minimalkonsens, auf den man sich nach zähen Verhandlungen im Kreis der Großen geeinigt hat, wurde im abschließenden Plenum der UN zerrissen. Im Ergebnis wird das Kopenhagen-Übereinkommen der Großen „zur Kenntnis genommen“; alle rechtlichen Verbindungen zur Klimarahmenkonvention und zum Kyoto-Protokoll wurden gekappt. Damit wird das Dokument zu einer isolierten politischen Absichtserklärung, einem Fremdkörper in der UN-Klimaarchitektur. Der weltgrößte Emittent an Treibhausgasen China hat an dieser rechtlichen und politischen Isolierung des Kopenhagenübereinkommens einen großen Anteil. Jetzt werden Forderungen laut, den Prozess der UN-Klimapolitik auf eine neue organisatorische Grundlage zu stellen.
Rückkehr zum Business as Usual in der Klimapolitik
19. Dezember 2009Eine Einschätzung vom abschließenden Tag der Klimakonferenz in Kopenhagen
Am späten Abend saßen die Delegierten noch in stoischer Gelassenheit. Dann rüttelten die Vertreter der kleinen Inselstaaten die übermüdeten Versammelten in der Nacht wach. Das Kopenhagen-Abkommen setze die Inselstaaten einem Meeresspiegelanstieg von 1,5 Meter aus und stelle ihr Überleben in Frage. Menschen müssten ihre Heimat verlassen, es werde Millionen Klimaflüchtlinge geben. Es gehe ums Überleben, nicht um Geld und Ausgleichszahlungen. So lauteten Ihre Gründe, den „Copenhagen-Accord“ der Großen zu zerreißen. Diesen Beitrag weiterlesen »
UN-Chef will Hoffnung aufrecht erhalten
19. Dezember 2009Samstag, 11:18: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verliesst eine Erklärung, in der er hofft, dass die poltische Erklärung von gestern Abend, die von der Versammlung nur zur Kenntniss genommen wurde, in ein rechtlich verbindliches Abkommen überführt werden kann. Der Zeithorizont dafür ist aber völlig offen. Nach den Ereignissen der letzten Stunden erscheint das Beobachtern jedoch als sehr optimistisch.
TA
Die Rettung der Welt wurde noch einmal vertagt
19. Dezember 2009Klimagipfel in Kopenhagen endet mit Minimalkonsens. Jetzt bekommen wir eine Diskussion um den Prozess.
Der Klimagipfel von Kopenhagen hat die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. Der Minimalkonsens, auf den man sich nach zähen Verhandlungen im Kreis der Staatsoberhäupter geeinigt hat, ist so schwach, dass Stimmen aus dem Kreis der EU laut werden, den Kopenhagenkonsens besser nicht zu unterzeichnen.
Enttäuschung macht sich breit
18. Dezember 2009Die Verhandlungslage in Kopenhagen bleibt schwierig
Der heutige Morgen begann mit einer großen Hoffnung: Auf der informellen Plenarsitzung der Verhandlungsführung konnten die Führenden dieser Welt ihre Verantwortung demonstrieren und Auswege aus der verfahrenen Dokumentenlage der UN aufzeigen. Leider blieb es in den Reden der Staatsoberhäupter bei Aufrufen und Selbstbeweihräucherungen.
Auch der Hoffnungsträger Obama hatte nichts zu bieten, was nicht bereits zuvor durch seine Unterhändler oder Frau Clinton angeboten wurde. Der „Pledge“ der USA lautet: 17% Emissionsreduktion in 2020 basierend auf 2005 – mehr ist nicht möglich, lautet die unausgesprochene Botschaft. „Wir machen Klimaschutz in den USA aus einem ureigenem Interesse“, aber „es gibt auch ein gemeinsames Interesse der Weltgemeinschaft an einem Abkommen“.
Alle warten auf Obama
18. Dezember 2009Eine aktuelle Lageeinschätzung von der COP15 in Kopenhagen
Der Weltklimagipfel in Kopenhagen läuft heiß. Nachdem gestern gegen Mittag die Hoffnung aufkeimte, dass die Staats- und Regierungschefs in irgendeiner Form die disaströse Dokumentenlage alexandergleich lösen könnten, ruht jetzt die Hoffnung allein auf Barack Obama. Ein Treffen der Staatsoberhäupter der G30 (Industrieländer und Vertreter aller Ländergruppen in der UN) verlief in der Nacht ergebnislos.
Das politische Leitdokument, an dem die dänische Verhandlungsführung mehrfach gescheitert war, konnte auch hier nicht gefunden werden. Es wäre ein neues, politisches Dokument geworden, in dem aber alle „Knackpunkte“ der bisherigen Verhandlungen entschieden sein sollten.
Die globale Politikshow läuft an – vierter Tag eines Klimakonferenz-Neulings.
18. Dezember 2009

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy verlassen gemeinsam den Plenarsaal.
Donnerstag, 19.Dezember. Es ist ruhig geworden in den Seitenhallen, in denen bisher die Sideevents stattfanden und an den Ständen, auf denen sich bisher die NGOs präsentiert haben. Von denen wurden heute lediglich 300 zugelassen. Der bunte Konferenztourismus ist vorbei. Übrig geblieben sind jene, die die UN als professionelle Besucher einstuft: Regierungsvertreter, UN-Mitarbeiter und Journalisten. Dass die Stimmung nicht gerade überschwenglich ist, liegt nicht an der reduzierten Teilnehmerzahl sondern zu allererst am Stand der Verhandlungen.
Das Kyoto-Protokoll wird zum Rettungsanker für die Politiker in Kopenhagen
17. Dezember 2009
Gibt es ein Ende des „historischen“ Weltklimagipfels in Kopenhagen ohne Gesichtsverlust für die angereisten über hundert Staatsoberhäupter? Die Fortschreibung des Kyoto-Protokolls auf Minimalbasis wird zum Rettungsanker – auch für dessen Gegner.
„Dass es hier in Kopenhagen in diesem Dezember nicht zu dem förmlichen Abschluss eines neuen Vertrages kommt, das steht seit Wochen und Monaten fest“, so lautet die Einschätzung von Umweltminister Röttgen. „Es geht darum dass hier die Würfel fallen, dass wir zu den politischen Entscheidungen kommen, die dann innerhalb von Monaten technisch in ein Vertragswerk übersetzt werden. Das ist immer noch unser Ziel.“ Die Bali-Roadmap war einfach zu ambitioniert. Diesen Beitrag weiterlesen »






